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Dienstag, 11. April 2017

Stresstest bei Nacht - Die Endqualifikation der Land Rover Experience Tour 2017

Ich habe mich vor einiger Zeit aus Abenteuerlust heraus als Tour-Bloggerin für die Land Rover Experience Tour 2017 durch Peru beworben. In Südamerika war ich noch nicht, ich bin gerne auf trallafitti und bin bereits mein gesamtes Erwachsenenleben mit verschiedenen Fahrzeugen auf Weltentdeckung. Ich habe Interrail gemacht, war als Teenager in Zeltlagern. Ich definiere mich über das Unterwegssein. Außerdem schreibe ich für mein Leben gerne. So formuliert schicke ich meine Bewerbung ab. Eine Woche vor dem Termin für die Endqualifikation bekomme ich Bescheid: Ich bin dabei! Über 1.000 Blogger haben sich beworben und ich bin unter den letzten 10 Kandidaten. Ich bin mit dabei im Steinbruch in Wülfrath, bei der Endqualifikation!


Ich werde die 60 potentiellen Tourteilnehmer ein komplettes Wochenende lang begleiten und über die zu bestreiteten Aufgaben kurze, bebilderte Texte schreiben, die direkt online gehen. Mach ich doch gerne! Meinen eigentlich geplanten Krav Maga Kurs für Samstag sage ich ab und buche kurzentschlossen Bahntickets in Richtung Düsseldorf. Ich muss meine Campingausstattung davor noch kurz im Schwarzwald abholen, alle Akkus aufladen, Speicherkarten leeren, meinen Rucksak packen und schon geht es von Stuttgart los in Richtung Düsseldorf. 


Freitag gegen 18 Uhr bin ich auf dem Gelände der LET 2017. Ein Steinbruch in Wülfrath. Umgebaut zu einem Offroad-Parkour sondergleichen. Steile Abfahrten, schlammige Wege, Sandlöcher und Schotterpisten mit riesigen Löchern. Und viele Land Rover. Ich schockverliebe mich in den Defender. Wo ich den überall auf der Welt schon neidisch betrachtet habe! Durch kleine Flüsse und über heftige Schlaglochpisten bin ich schon gefahren. Ob in Australien, Neuseeland, auf Bali oder in Mecklenburg Vorpommern. Aber ein Land Rover fährt einfach an Dir vorbei und macht deutlich, er kann mehr als Du!

Ich bin die erste Bloggerin, die am Gelände ankommt, baue mein Zelt auf und setze mich mit Britta, die uns Blogger betreut, ins Cateringzelt. Während wir plaudern, trudeln die Teilnehmer der Endquali langsam zum Grillabend ein. Dass es direkt so nett wird hier, damit hatte ich nicht gerechnet. Wie mit so vielem nicht, was noch bevor steht.


Ich erfahre, dass die Blogger Challenge erst ab morgen startet, sich die Fahrerkandidaten aber schon heute bei einer Art Stresstest die Nacht um die Ohren schlagen werden. Wenn ich Lust hätte, dann sollte ich doch einfach mitmachen, sagt Britta. Und das mache ich.


Inzwischen ist ein weiterer Blogger eingetroffen. Jonas, ein junger Filmstudent aus Bielefeld. Die anderen Blogger kommen wohl erst spät am Abend oder morgen Früh. Auch Jonas schmeißt sich mit ins Abenteuer und begleitet eines der Teams in dieser Nacht. Ich treffe im Dunkeln immer wieder auf ihn und wir sind beide erstaunt, wie krass es um uns herum abgeht: Was von den Teilnehmern abverlangt wird, wie diese ackern und gegen die Zeit ankämpfen. Wieviel Schweiß in dieser kühlen Nacht fließt. 


Die 30 Frauen und 30 Männer sind schon seit 12 Uhr auf dem riesigen Gelände des Steinbruchs unterwegs. Sie haben heute gelernt, Dreibeine und Brücken aus Baumstämmen zu bauen, Seilwinden zu benutzen, per GPS in unübersichtlichem Gelände zurechtzukommen und vieles mehr. All diese frisch erworbenen Fähigkeiten müssen sie diese Nacht direkt anwenden. 


Schwere Land Rover werden milimetergenau bewegt, Materialen über Flüsse gezogen, im Sand gewühlt, Menschen gerettet, Ersatzteile über Satelitentelefon bestellt, Mountainbikes gefahren. Immer geht es im Laufschritt die steilen Hänge vom Steinbruch bergab und bergauf. Stets dabei ist Wheely, unser Reifen. Wir müssen Ihn einfach immer mitschleppen, die ganze Nacht. Warum - egal! An jeder der vielen Station gibt es ein Ersatzteil, welches ganz am Ende der Nacht noch in einen Land Rover eingebaut werden muss. Immer wieder motiviert die Gruppe sich selbst: "Wer sind wir? Team Blau!" Helfen darf ich dem Team nicht, das fällt mir schwer. 


Die Teilnehmer werden von Instruktoren beobachtet und bewertet. Für soziale Kompetenz, Lösungsfähigkeit, Engagement, Schnelligkeit, für alles gibt es Punkte. Mit nach Peru kommen die sechs, welche die besten Bewertungen erhalten haben. Am Ende schafft es Anna-Lena mit der Startnummer 14 aus "meinem" Team Blau unter die Gewinner. Und das zurecht, auch mir war sie in dieser Nacht bereits positiv durch ihre mitreißende Art aufgefallen. 


Gegen 4 Uhr sind alle Aufgaben erfüllt, das Adrenalin geht langsam wieder runter und wirklich alle sind erschöpft. Gegen halb 5 krabbel ich in mein Zelt. Mein Gott hat das Bock gemacht heute!


Schon ich als Beobachterin der Endqualifikation bin über mich hinaus gewachsen. Ein paar Prüfungen habe ich mitgemacht. Bin Offroad gefahren, habe meine Geschicklichkeit und meine Teamfähigkeit auf die Probe gestellt. Bin im Klettergarten aus 11 Metern Höhe gesprungen und habe meine Ängste überwunden. Ansatzweise kann ich somit nachvollziehen, wie kräfteraubend und erlebnisreich die Tage für die Teilnehmer gewesen sind. Viele haben zwischendurch einfach nur noch nach Luft und Worten gerungen. Zumeist brachten sie aber immer noch den Begriff "Spaß" heraus. Strahlende Augen sagen eh mehr als tausend Worte. Und ich freu mich einfach darüber, was ich alles Tolles selbst ausprobieren konnte. Und über die neuen Erkenntnisse, die über mich selbst gewonnen habe - Nerven behalten bei 110 % Gefälle, das bin ich!


Was nach der langen Freitagnacht noch geschah, was ich alles so über die Kandidaten und die bevorstehende Tour und auch über mich selbst erfahren habe, all das erfahrt Ihr bei Land Rover Experience. Wir Blogger haben während des Wochenendes über die Endqualifikation je 3 Texte geschrieben. Nun warten wir darauf, dass eine Jury unsere Berichte bewertet. Nach Ostern werden wir dann erfahren, wer von uns mit nach Peru fährt. Lust auf mehr habe ich auf jeden Fall, denn am Sonntag hätte ich wirklich gerne einfach so weiter gemacht. Hammer!


Nachtrag: Ich fahre leider nicht nach Peru. Aber Schwamm drüber, ich hatte ein tolles Wochenende in Wülfrath!

Samstag, 30. Juli 2016

1. Tag der Trinkhallen - Büdchenliebe im Pott

Ich bin ein Kind des Ruhrgebiets. Geboren und aufgewachsen im grünen Süden des Reviers, direkt an der Ruhr. Schon lange lebe ich nicht mehr im Pott, aber so einiges wird mir wohl einfach für immer und ewig im Blut bleiben. Die Sprache, die Offenheit, die Fähigkeit versteckte Schönheiten erkennen zu können, eine gewisse Faszination für Fußball (bei mir halt nur ein mini bisschen) und eben meine Büdchenliebe. Über diese Liebe habe ich schon einmal geschrieben, jetzt möchte ich mich ihr etwas ausführlicher widmen. Grund dafür ist zu allererst mein Bruder. Der fotografiert nämlich seit mehreren Jahren Büdchen, auch Trinkhallen genannt. Auf Instagram zeigt er als einzweilicht sein Schaffen. Und ich wollte mich schon lange mal an seinem Büdchenbildervorrat bedienen, zu viele Schätzkes hat er nämlich bereits abgelichtet, die unbedingt ans Tageslicht geholt werden müssen.


Zum anderen findet am 20. August der 1.Tag der Trinkhallen statt. An dem wird unter dem Motto „Kumpels, Klümpchen & Kultur“ der Kiosk als Begegnungsort der Kultur und der Kulturen gefeiert. An 50 ausgewählten Buden findet ein Kulturprogramm statt. Das verrät mir alles die Homepage Tag der Trinkhallen, auf der es noch viele Infos über die Trinkhallen, deren Geschichte und Entwicklung gibt. Früher Anlaufpunkt um sich nach der Maloche zu erfrischen, sind die Trinkhallen heute meist Kioske mit großem Angebot für den täglichen Bedarf. Seit die Ladenöffnungszeiten immer weiter ausgedehnt wurden, stirbt das Büdchen. Daher finde ich es schön, dass jetzt mal ein wichtiger Teil der regionalen Identität des Ruhrgebiets zumindest mal einen Tag richtig schön im Mittelpunkt steht.

Samstag, 1. November 2014

Auf Trallafitti im Ruhrgebiet


Das Ruhrgebiet. Meine alte Heimat. Eine Region mit 1.000 Gesichtern, den schönen und den schaurigen, den faltigen und den glatten. Vielen Gesichtern, die manch einer noch nie gesehen hat. Ich will gar nicht behaupten, sie alle zu kennen, aber das ein oder andere ist mir schon untergekommen. Zwei Gesichter möchte ich euch hier vorstellen. Ohne viele Worte, aber mit Bildern. Denn letztes Wochenende war ich wieder mal im Pott. Und mein Herz ist aufgegangen wie die Sonne am Morgenhimmel. Oh, ich werde etwas pathetisch...

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