Donnerstag, 20. August 2015

Entern und kentern - Kanu fahren im Lautertal

Dieser Sommer macht seinem Namen alle Ehre. Hier im Süden ist es einfach nur heiß. Immer. Ohne Regen, ohne Abkühlung. Leider gibt es hier weiterhin keine Badeseen und ich habe eine persönliche Abneigung gegen Freibädern. Hier gibt es wirklich ganz tolle, aber irgendwie ist es mir da zu voll und es gibt zu viel Wespen und komische Menschen. Allerdings ist Thomas total wild auf Meer, Seen und Flüsse. In alles, wo man reinspringen kann, springt er rein. Also musste eine Lösung her. Wir setzten uns hin und überlegten, wohin es am Wochenende gehen könnte. Wir suchten Wasser, Ruhe und Schatten.


Gefunden haben wir all das im nahegelegenen Lautertal. Dort fließt, wer hätte das gedacht, die Lauter. Und zwar die Große Lauter. In der letzten Woche sind wir letztendlich dreimal dort hingefahren. Der Hitze wegen und dann wegen der Schönheit der Landschaft. Und das waren sehr unterschiedliche Tage, sag ich euch!

Das Lautertal und die Große Lauter

Das Große Lautertal ist geprägt von der typischen Landschaft der Schwäbischen Alb, von Burgen, Felsen und Wacholderheiden. Man kann wohl sagen, es ist eines der schönsten Täler der gesamten Schwäbischen Alb. 18 Burgen und Ruinen säumen die angrenzenden Hügel. Die Grosse Lauter, der 37 km lange Fluß, entspringt in Offenhausen und mündet unterhalb Obermarchtals in die Donau. Und das ist echt was besonderes hier auf der Alb, der Fluß versickert nicht im löchrigen Karst! Er bleibt an der Oberfläche und schenkt der Landschaft das plätschernde Nass, welches ansonsten fast überall fehlt.

Aktiv im Lautertal

Vorletztes Wochenende waren wir noch ganz vorsichtig und sind nur zum Spazierengehen dort hingefahren. Es war überraschend idyllisch dort und wir haben uns gefreut, dass nicht so viel Motorräder durch das schöne Tal brettern wie erwartet. Ruhe ist im Lautertal also machbar. Wir haben am Ufer im Schatten gelegen und Thomas konnte sich im Fluß abkühlen. Also der perfekte Ort für heiße Sommertage. Grün, kühl, ruhig. Gewandert sind wir sogar auch noch, es war schattig genug für eine kleine Aktivität. Schön war es.


Abenteuer im Lautertal

Den folgenden Freitag hat die Große Lauter uns etwas mehr abverlangt, wir sind nämlich Kanu gefahren, bei Kanutouren im Wilden Süden. Unter der Woche kann man dort Kanus mieten und die Lauter entlang paddeln. Die Wildwasser-Stellen des Flusses sollten auch für absolute Anfänger machbar sein und daher haben wir uns für die längstmögliche Tour entschieden. Zehn Kilometer von Buttenhausen nach Indelhausen. Thomas so "Jey!", ich so "Ah-ha. Okay...". Vom netten Servicepersonal wurden wir eingewiesen und haben unsere Utensilien überhändigt bekommen.


Von Montag bis Freitag kann man auf der Lauter Kanu fahren, am Wochenende und im Frühjahr bis Juni wird die Natur geschützt und nicht gepaddelt. Kanus können in Bichishausen an der Kanustation von Juli bis August von 9 - 18 Uhr gemietet werden. Danach kann man auch noch Kanu fahren, muss aber die Zeiten erfragen. Es gibt drei verschieden lange Touren und der Bustransfer zum Ausgangspunkt in Buttenhausen ist obligatorisch. Bei den längeren Touren bringt der Bus einen auch wieder zurück nach Bichishausen zum Bootshaus. Klingt gut, ist gut. Und vor allem sehr schön. Der Biergarten am Kanustation ist echt nett und auch sonst wird alles sehr professionell und freundlich abgewickelt.


Auf dem Fluß bekommt man von der Straße so gut wie gar nichts mit. Alle Aufmerksamkeit gehört nun den über dem Wasser hängenden Ästen, den kleinen Stromschnellen und engen Kurven. Die Landschaft begeistert und der Fluß fordet einen an der ein oder anderen Stelle sogar etwas heraus. Meist mäandert er aber friedlich vor sich hin und mit etwas Glück können Biber, Eisvögel oder Gänse beobachtet werden. Bei der langen Tour muss man das Boot zweimal umtragen, was etwas schwierig ist, weil ich irgendwie keine geborene Bootsumträgerin bin...


Bei der ersten Umtragestelle wurden wir auch direkt von einem Pärchen vor der nächsten Wildwasserstelle auf der Lauter gewarnt. Die beiden waren auf der Suche nach ihrem Rucksack, sie hatten ein paar Tage zuvor die Tour gemacht, waren an der kommenden Wildwasserstelle gekentert und hatten ihre Habseligkeiten in den Fluten verloren. Und verletzt war sie auch, eine ordentliche Schürfwunde am Knie wurde uns gezeigt. Ups. Also waren wir so schlau und haben echt alles in unsere Trockentonne gepackt. Sich vor Verletzungen schützen konnten wir nur durch aufmerksames Paddeln, was wir auch probiert haben.


Wir sind also frohen Mutes wieder ins Kanu gestiegen. Und losgepaddelt. Und an eben der vorher beschriebenen Stelle volle Kanne gekentert. Aua! Ohne Thomas wäre ich aus dieser Schieflage nie wieder raus gekommen. Er hat mich heldenhaft gerettet, unsere Sachen gesichert, das Boot ausgekippt und wieder fahrbar gemacht. Also pitschnass wieder rein in den Kahn und weiter. Nützt ja alles nix. Den blauen Fleck, der meinen kompletten linken Unterschenkel ziert, enthalte ich euch vor. Er ist inzwischen nicht mehr schmerzhaft, dafür futuristisch grün. Mal was neues. 


Die Tour sind wir auch noch zu Ende gefahren, meine Begeisterung ließ allerdings merklich von Kurve zu Kurve nach. Obwohl es optisch immer toller wurde. Von der schönen Landschaft mit ihren Felsnasen und Burgruinen gibt es allerdings keine Bilder mehr, denn wir hatten ja Gott sei dank echt alles in unserer Trockentonne. Und da haben wir auch absolut nichts mehr rausgeholt. 

Rumhängen im Lautertal

Den folgenden Sonntag sind wir tatsächlich trotz meines mega blauen Flecks und kleiner Schürfwunde am Bein wieder ins Lautertal gefahren. Diesmal nach Anhausen. Dort verlässt die Straße die Lauter und das Tal ist somit autofrei. Und ein nettes Örtchen ist Anhausen auch. Schön viele Geranien überall.


Von dem Ort aus sind wir in sengender Hitze etwas an der Lauter entlang gelaufen und haben uns wieder ein ruhiges, schattiges Plätzchen am Fluß gesucht. Laufen war nicht so mein Ding nach dem Kentern zwei Tage vorher. Also waren herumliegen, lesen und entspannen angesagt. Und die spektakuläre Aussicht auf die Felsen am anderen Ufer genießen.


Das waren meine drei Tage im Lautertal. Es ist so schön, neue Lieblingsorte an seiem Wohnort und der Umgebung zu entdecken. Das mag ich an einem Ortswechsel, immer wenn ich denke, "Och, langsam kennste hier ja doch alles", kommt eine weitere Naturschönheit, ein Festival oder ein nettes Café um die Ecke und winkt ganz laut zu mir rüber "Hej, ich bin auch noch da!". Und so lasse ich mich ja gerne ansprechen. 

Bis bald, vielleicht mit noch mehr neuen Lieblingsorten hier im Ländle!

Kommentare:

  1. Wow, das ist ja echt mal ne schöne Gegend! :) Das merk ich mir vor, Kanu-Fahren find ich auch toll. Deine Füße auf den Bildern find ich witzig ;) Ist das ein Running Gag? :P

    Viele Grüße,
    Leona

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    1. Hallo Lilla,
      dein Kommentar ist mir im August irgendie durch gegangen... dabei habe ich mich sehr gefreut über ihn. Warum ich Fotos von meinen Füßen mache, über das Jahr verteilt sehe ich dann meine Schuhentwicklung. Vom Wanderstiefel im Schnee, über Frühjahrsmatsch hin zur Wandersandale im Sommer. Also irgendwie tatsächlich ein Running Gag ;-)

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  2. Die Gegend ist ganz entzückend und Kanufahren macht immer Spaß :)

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