Dienstag, 9. Juni 2015

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?! Auf Trallafitti in Bad Urach

Ich bin immer auf der Suche nach dem Glück. Vor ein paar Tagen bin ich ihm einen Schritt näher gekommen. Und zwar habe ich mir gedacht: "Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah!". Dieser so einfache, meist beiläufig angebrachte Spruch stammt aus einem Gedicht von Goethe. Wie jeder weiß, ist Goethe gerne gewandert. Und war dabei wohl auf der Suche nach dem Glück.
Erinnerung
Willst du immer weiter schweifen?
Sieh, das Gute liegt so nah,
Lerne nur das Glück ergreifen,
Denn das Glück ist immer da. 

Johann Wolfgang von Goethe
Das Gute liegt also nah. Folglich habe ich mal geschaut, was es bei mir so in der Nähe zu erwandern gibt. Und das ist viel. Ich könnte von zu Hause aus loslaufen, aber irgendwie brauche ich einen Überbau für meine Suche nach dem Glück. Einen Namen. Und den habe ich recht schnell gefunden. Drei Orte weiter liegt Bad Urach, ein staatlich anerkannter Luftkurort und Heilbad. Dort gibt es fünf Premiumwanderwege, das klingt doch dann auch nach Premiumglückserfahrung. Der aktuelle Plan ist, dass ich in diesem Sommer die fünf "Grafensteige" genannten Premiumwanderwege in Bad Urach wandern werde. Und zwar alleine. Den ersten Grafensteig bin ich vor 2 Wochen gelaufen, den Wasserfallsteig.

 

Bad Urach lieg landschaftlich sehr schön im Ermstal am Fuße der Schwäbischen Alb im Landkreis Reutlingen. Die Grafensteige führen zu den landschaftlichen Höhepunkten des Ortes. Steige heißen sie, weil man immer den Albtrauf hoch muss. Und auch wieder runter. Das verspricht eine gewisse Anstrengung, aber auch viele schöne Ausblicke.


Zuerst ist es ein kleiner Spaziergang am Brühlbach entlang bis zum Fuße des Wasserfalls. Der Weg ist schön schattig und das glucksende Bächlein weicht nicht von des Wanderers Seite. 


Hier habe ich schon sehr oft eine oder mehrere Wasseramseln beobachten können. Diesmal hatte ich mit der Wasseramsel leider kein Glück, aber ich habe einen Feuersalamander am Wegesrand entdeckt! Das hat mich sehr gefreut, bisher kannte ich nur die überfahrene Variante...

 

Ab der untersten Talstufe des Wasserfalls geht es nur noch bergauf, immer den Treppen folgend. Ich muss hier immer mindestens einen Fotostop einlegen. Im Sommer wird man dabei durch das Spritzwasser schön abgekühlt, im Winter mit Eiströpfchen überzogen. Hat beides seinen eigenen Reiz. Im Winter sieht der gefrorene Wasserfall auch sehr magisch aus. Wie ein Kunstwerk.


Oben angekommen lockt die Wasserfallhütte mit Essen, Trinken und einigen Grillstellen. Musste ich wieder einen Zwischenstop einlegen. Einfach schön hier oben. Da war ich dem Glück schon recht nah.


Nach der Rast geht es weiter bergauf durch den Wald rauf zu den Rutschenfelsen.

 

Vom Weg aus hat man immer wieder einen herrlichen Ausblick auf einige Sehenswürddigkeiten der Gegend. Zuerst fällt der Blick auf die Ruine Hohenurach (rechts unten), auf Hohen Neuffen (links) und auf die Burg Teck (rechts oben) in der Ferne. Und auf wahnsinnig viel Wald. Eindrucksvoll!


Beim Weg hoch und am Rutschenfelsen selbst geht es neben dem Pfad steil bergab. Ich muss leider immer bei dem Namen daran denken, dass diese Felsen vielleicht nicht ganz fest sitzen... bestimmt völliger Quatsch, aber ich bin immer froh, wenn sie nicht gerade mit mir drauf abrutschen...


Weiter geht's über wunderschöne Wiesen, dann durch etwas Wald weiter zum Fohlenhof, wieder rein in den Wald und ein Stückchen runter zum Gütersteiner Wasserfall. 


Die Gütersteiner Wasserfälle sind sehr bezaubernd, wenn nicht gerade eine gefühlt 100-köpfige Kindergruppe dort picknickt. So bin ich nach nur kurzem Fotostop direkt weiter. Da das Geschrei sehr laut und überall im Wald zu hören war, habe ich mir tatsächlich Kopfhörer in die Ohren gemacht. Ein No-Go beim wandern wie ich finde. Aber ich fand es so schade, dass mir dieser schöne Ort durch das Gekreische kaputt gemacht wurde. Das Plätschern des Wassers, das Rauschen der Bäume, der vielfältige Vogelgesang... so schön war es! Also Lärm aus, Musik an. Gehört habe ich Bosse. Ich kann euch ein paar Zeilen zum Besten geben, die mich den Gütersteiner Wasserfall hinab zum Gütersteiner Hof begleitet haben und bei mir für wahnsinnig gute Laune und Frohsinn gesorgt haben:

"Das Leben ist ein Buffet
wenn ich im Müßiggang geh
es tut sehr gut und nicht weh
wenn ich im Müßiggang geh
gegen das System
für mein Immunsystem
gegen ein kaputtes Leben
für ein langes Leben
für ein herrliches Leben
auf ein langes und herrliches Leben"

Und so weiter und so fort. "Müßiggang" heißt das Lied vom Album "Kraniche". Danach habe ich Wanda gehört, etwas "Amore", das war amüsant, aber nicht mehr so passend. Zu dem Zeitpunkt war aber auch wieder Ruhe um mich herum, ich war am Hof Güterstein angekommen und habe die Kopfhörer wieder weggepackt. Der Hof gehört zum Haupt- und Landgestüt Marbach.


Sehr idylisch dort. Auch der weitere Weg verläuft sehr verträumt romantisch durch ein schönes Tal zurück bis zum Bahnhof Bad Urach Wasserfall.


Was ich zum Ende der 9,3 km sagen kann ist, dass es mir in den Pfingstferien hier doch etwas zu trubelig war. Aber dennoch hat der Weg, die wunderschöne Landschaft und das gute Wetter es geschafft, mich richtig ordentlich glücklich sein zu lassen. Goethe hätte seine wahre Freude gehabt. Und ich hatte sie sowieso. Danke an den Wasserfallsteig. Auf bald, Bad Urach!

Zurückgelegte Strecke: 9,3 km
Dauer: 3 Stunden ohne Pausen
Aufstieg: 510 m
Abstieg: 510 m
Ausgangspunkt: Haltestelle Bahnhof Bad Urach Wasserfall oder der Parkplatz Meisental
Einkehrmöglichkeiten: Direkt im Meisental und auf der Hochwiese Uracher Wasserfall

Alle Infos gibt es bei den Grafensteigen online, es gibt auch eine App für die Touren rund um Bad Urach.

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