Mittwoch, 1. Juli 2015

Kreta - Ein Roadtrip durch den wilden Westen

Selten war ich so gespannt auf eine Reise wie auf diese. Und das gleich aus zweierlei Gründen. Zum Ersten ist Kreta die Insel, von der mein Bruder mir immer vorgeschwärmt hat. Er war ein paar Mal dort und mag die Insel sehr. Also bin ich ein bisschen auf seinen Spuren gewandelt und gewandert. 

Zum Zweiten, weil wir diesmal zwar wieder mit einem Mietwagen unterwegs waren, aber eben auch mit dem Zelt. Große Autos waren auf Kreta einfach zu teuer, also haben wir gezeltet. Früher war Kreta ja ein Paradies für Wildcamper...kann man das heute auch noch so machen, einfach sein Zelt aufstellen, wo man möchte? Wir wollten das mal austesten. Also Rucksack und Campingkram gepackt und ab nach Kreta!


Was soll ich sagen, all meine Bilder von Griechenland, die ich im Kopf hatte, wurden übertroffen. Das Meer ist blauer als anderswo, die Menschen noch freundlicher und das Essen schmeckt leckerer als überall anders. In den Orten sind die Häuschen alle weiß gestrichen und überall stehen Kübel und alte Ölkanister mit bunten Blumen. Super schön! 


Zudem ist Griechenland ein Paradies für Vegetarier und die angebotenen Gerichte sind weit vom in Deutschland so beliebten griechischen Grillteller entfernt. Die frischen Gewürze, die überall wachsen, machen das Essen zusätzlich so was von vorzüglich...


Und dann die Landschaft... atemberaubend schön. Markante Bergspitzen, strahlend blaues Meer, Traumstrände und nette Örtchen. Und das alles nicht überlaufen, sondern auf eine angenehme Weise touristisch. Und für unser Zelt haben wir in der Vorsaison immer problemlos ein ruhiges Plätzchem am Strand gefunden.



Los ging es für uns in Heraklion. Wir haben einen Nissan Note als Mietwagen bekommen (Immer die Reifen prüfen. Uns wollten sie andere Wagen komplett ohne Profil andrehen!) und sind dann direkt runter in den Süden nach Pitsidia bei Matala gefahren. 


Dort konnten wir unser Zelt problemlos mit Meeresblick aufstellen und den ersten Abend auf Kreta genießen. In der Dämmerung kam ein Geschwader Riesenkäfer angeflogen, die mich etwas erschrocken haben, aber auch die sind bald schlafen gegangen.


Die nächsten Tage sind wir dann die Südküste entlang gefahren, haben einen Abstecher in die Weißen Berge gemacht und sind dann die Westküte rauf bis Falassarna. Eine schöne Rundtour für die Zeit von 9 Tagen, aber natürlich viel zu wenig Zeit, um alles ausgiebig zu erkunden. Aber was wir gesehen haben war toll. 


Den schönen Blick auf Matala haben wir uns bei unserer ersten Wanderung erwandert. Auf Kreta lässt es sich wunderbar wandern, sogar Wegzeichen gibt es auf den meisten Wegen. Wir haben uns wieder an die Topwanderungen aus dem Rother Wanderführer gehalten und sind nicht enttäuscht worden.


Matala verkauft sich immernoch als Hippiestadt, aber so richtig hippiemäßig habe ich es nicht empfunden. In den 60ern sah es hier bestimmt ganz anders aus, als viele Hippies sich in den Felshöhlen des Ortes wohnlich einrichteten. Heute kann man die Höhlen aus der Jungsteinzeit, die direkt am Strand liegen, ganz offiziell besichtigen. Oder etwas in der immer noch sehr netten, bunten Stadt umherbummeln und das Leben genießen. Kann man gut hier. Und lecker essen, wir haben das ganz bei der Taverne Sunset getan, ganz vorne an der Spitze der Bucht, gegenüber der Höhlen.


Wie schon erwähnt, wir waren viel wandern. Die nächste Tour sind wir die Preveli Schlucht oberhalb entlang gewandert bis zum Strand runter, haben uns den Palmenstrand angeschaut und sind auf der anderen Seite der Schlucht wieder zu unserem Auto zurück gewandert. Das waren tolle Ausblicke auf den Strand und den Palmenhain am Fluß.


Einen echten Knallerstrand gibt es bei Triopetra. Dort findet wirklich jeder sein Plätzchen, angezogen oder nackt. Und wir haben wunderbar gezeltet, einsam, ruhig und mit doch ganz nettem Ausblick auf die drei Felsen.


Wer gerne am Strand spazieren geht, der ist hier gut beschäftigt. Und die drei Steine sehen zu jeder Tageszeit wieder anders aus. Ein schönes, entspanntes Stückchen Erde.


Wir waren außerdem noch wandern in der Ecke von Plagia, eine schöne, aussichtsreiche Tour mit Verlaufgarantie, aber auch hier wieder mit wahnsinns Ausblicken.


Das schöne bei allem was man auf Kreta macht ist, dass es überall herrliche Einkehrmöglichkeiten gibt. Eine Taverna oder ein Kiosk ist immer irgendwo zu finden. Die Stühle und Tische sind fast überall aus Holz und sehen stets sehr pittoresk aus. Ich hoffe der gemeine Plastikstuhl bekommt hier weiterhin die kalte Schulter gezeigt.


Auf die Holzstühle gilt es dann selbstverständlich auch drauf zu sitzen, zu planen, zu essen und am Ende einen kalten Raki zu trinken.


Bei uns kam meist die nächste Wanderung bei der Planung raus, manchmal saß es sich aber auch so schön, dass auch mal eine Wandertour über Bord ging. Nach Loutro haben wir es daher leider nicht geschafft. Und auch die Samariaschlucht haben wir uns für wann anders aufgehoben. Dafür waren wir zumindest an ihrem Eingang in den Lefka Ori, den Weißen Bergen.


Immerhin zum Refuge Kallergi haben wir es dort geschafft! Und da wir für ein paar Tage sehr nette Mitreisende aus Köln hatten, wurde morgens vorm Zelt sogar echter griechischer Mokka serviert. Und noch viel besser: ich hatte stets ein paar fröhliche Kölsche Karnevalslieder bei unseren gemeinsamen Aktivitäten im Ohr. War das toll, dieses Zusammentreffen!


Wie gesagt, mehr haben wir in den Bergen nicht geschafft. Weder die Samaria Schlucht von oben, noch von unten. Nächstes mal dann.


Aber nach Lissos sind wir zumindest gekommen. Eine herausragend schöne Wanderung, wie ich finde. Besonders oben auf der Hochebene habe ich mich gar nicht mehr in Europa gefühlt, sondern weit weg. In Australien oder so. Das ist daher wohl auch meine liebste Tour gewesen, noch besser wäre sie wohl gewesen, wenn wir früher aus Sougia los gekommen wären. Die Sonne auf Kreta brennt nämlich meist erbarmungslos. Merke: Immer ordentlich eincremen, auch Ohren und die oft vernachlässigten Fußoberseiten. Und auch den Hut niemals vergessen!


Gewandert sind wir auch bei Milla, einem alten, einsam gelegnen Bergdorf, der zu einem touristischen Komplex umgebaut wurde. Einer "ökologischen Spitzenunterkunft", wie National Geographic es formuliert. Wir haben nur einen Bergtee und einen Frappé dort zu uns genommen und haben ansonsten die Bergwelt drumherum erkundet.



Nach 7 Tagen im Zelt war dann der vorletzte Tag auf Kreta gekommen und da haben wir was ganz Verrücktes gemacht... wir haben uns in Fallasarna ein Zimmer genommen! Und was für eins, das mit dem tollsten Blick über die gesamte Bucht.


Wir sind im Sunset untergekommen, mit bester Lage direkt am Strand. Da wir am nächsten Tag wieder ins Flugzeug steigen mussten, haben wir am letzten Abend noch mal ein ordentliches Bett und ganz besoders die warme Dusche genossen. Sonst mussten die Strandduschen für uns herhalten. Und lecker essen kann man im Sunset auch noch. 


Viel unternommen haben wir dort gar nicht mehr, hauptsächlich waren wir damit beschäftigt den tollen Ausblick zu genießen. Und wie der Name es verspricht, der Sonnenuntergangsblick ist nicht der allerschlechteste.


Und dann gings wieder ab ins Flugzeug und zurück ins Ländle. Von dort dann bald mehr, bis dahin, macht's gut!

Reiseliteratur:

Rother Wanderführer Kreta vom Rother Bergverlag, wir haben diesmal viele der Toptouren gemacht. Lohnt sich!

Michael Müller Kreta vom Michael Müller Verlag, DER Reiseführer für Kreta. Wer nur hin und wieder wandern möchte, der ist mit dem Michael Müller bestens bedient. Einige Touren die wir gemacht haben werden gut beschrieben. Außerdem kommt die Kultur nicht zu kurz und die Unterkünfte sind auch gut beschrieben.

Kommentare:

  1. Wow, Tine! Das klingt so gut und sieht so schön aus!
    viele Grüße
    Berit

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    1. Danke Berit! War auch ne tolle Reise. Ganz liebe Grüße!

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  2. Wunderschöner Beitrag und tolle Fotos! Ich war vor einiger Zeit auch auf Kreta unterwegs und fand es einfach unglaublich! Diese völlig autofreien Gegenden im Süden, wo es gefühlt mehr Ziegen als Menschen gab... Wir haben dort auch einfach am Strand übernachtet, ganz ohne Zelt, mit Blick auf die Sterne :) Ich würde auch irrsinnig gerne mal wieder dorthin!

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